Heinrich Anton Christoph Seeliger
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Heinrich Anton Christoph Seeliger (* 1755; † 1. Januar 1838) war der Gründer des Bankhaus C. L. Seeliger.
Er ist der Vater von Carl Ludwig Bernhard Seeliger und Theodor Seeliger.
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[Bearbeiten] Jugend
Nur wenig ist aus den Jugendjahren von Heinrich Anton Christoph Seeliger bekannt. Lediglich der Besuch der Lateinschule von St. Martini und seine anfällige Gesundheit werden des öfteren erwähnt. Letztere war auch der Grund dafür, dass er 1769 eine Lehrstelle in Halle nicht antreten konnte. Erst wieder für das Jahr 1770 erfahren wir, dass er von Braunschweig nach Wolfenbüttel wechselte, um nun eine Lehre in der Kolonialwaren- und Garnhandlung seines Onkels Conrad Wilhelm Baxmann zu beginnen. In diesem Geschäft fühlte sich der Junge trotz seiner anfälligen Gesundheit sehr wohl, zumal er auch nach der Lehrzeit weiter als Gehilfe tätig bleiben und so gründliche Erfahrungen im Kaufmannsberuf sammeln konnte. Er entwickelte sich unter der sorgfältigen Anleitung seines Onkels zu einem talentierten Kaufmann, was ihm 1784 zugute kommen sollte. In diesem Jahr starb nämlich der älteste Sohn aus erster Ehe von Dorothea Elisabeth Seeliger, Georg Heinrich Sigismund Bartels, in Hannover. Er war Mitinhaber eines Handelsgeschäftes, in dem Garn-, Speditions- und Kommissionsgeschäfte abgewickelt wurden. Hier nun sollte Heinrich Anton Christoph auf Bitten seiner Tante zunächst aushelfen. Tatsächlich war er dann mehr als zwei Jahre in Hannover tätig, weil, wie er in seinen Lebenserinnerungen notierte, die Handlung so ganz unbesetzt und noch nicht recht begründet war – und da die Geschäfte sich vergrößerten.
Erst die Heirat der jungen Witwe Barbara Bartels geb. Weidt mit Peter Bernhard Heyn bot endlich die geeignete Gelegenheit, einen eigenständigen Berufsweg einzuschlagen. Heyn hatte das Geschäft in Hannover übernommen, und Heinrich Anton Christoph Seeliger kehrte nach Wolfenbüttel zurück. Aber es war nicht nur eine Rückkehr in die kleine Provinzstadt, die sich immer noch nicht so recht von dem Wechsel der herzoglichen Residenz nach Braunschweig erholt hatte. Es war auch nicht nur eine Rückkehr in das Haus, in dem Heinrich Anton Christoph Seeliger weitgehend seine Jugend- und Lehrzeit verbracht hatte. Es bedeutete zugleich den Beginn eines neuen persönlichen Lebensabschnittes, da er nun seine Cousine Dorothea Eleonore Juliane Baxmann heiratete.
[Bearbeiten] Heirat und geschäftlicher Aufstieg
Sein Onkel war bereits um Ostern 1786 verstorben. Am 7. August 1787 traf Heinrich Anton Christoph in Wolfenbüttel ein, am 10. August fand die Hochzeit statt. Diese Heirat war für die Familie keine Überraschung. Schon während seiner Lehrzeit im Hause Baxmann hatte sich Heinrich Anton Christoph schwärmerisch für seine Cousine interessiert, und diese Zuneigung vertiefte sich auf beiden Seiten im Laufe der Zeit. Allerdings sollte die so persönliche Bindung auch im Sinne der Fortentwicklung des Geschäftes in Wolfenbüttel von grundlegender Bedeutung sein. Zum einen hatte der junge Ehemann sich zwischenzeitlich einen guten Ruf als Kaufmann verschafft, zum anderen stellte sich nach dem Tod des Onkels die wichtige Frage über die Zukunft des Handelsgeschäftes. Es schien kaum möglich, dass die Witwe Baxmann den Betrieb alleine fortführen könne. Was also war besser als nun nicht nur familiär, sondern auch geschäftlich eine enge Bindung einzugehen? Heinrich Anton Christoph Seeliger trat daher in das Geschäft der Schwiegermutter ein, und eine vertragliche Regelung sah zunächst auf fünf Jahre ein gemeinsames Unternehmen unter dem Namen C. W. Baxmann Witwe und Seeliger vor. Damit erscheint im Jahr 1787 erstmals der Name Seeliger im Wirtschaftsleben von Wolfenbüttel.
Dank seiner persönlichen Geschicklichkeit und seinem wachsenden Ansehen als Kaufmann, konnte Anton Christoph Seeliger überregional Fuß fassen. Der ausgedehnte Handel florierte, wie die Bilanzen dieser Anfangsjahre deutlich erkennen lassen. Dabei wurden manche Erfolge mit zeitweise bitteren Verlusten erkauft, da viele Erfahrungen erst gewonnen werden mussten. Wichtig für die weitere Entwicklung sollten für Heinrich Anton Christoph Seeliger jedoch diejenigen Punkte der Vereinbarung mit seiner Schwiegermutter werden, die eher privaten Charakter besaßen und den gemeinsamen Haushalt regelten. So war vorgesehen, die Kosten für diesen gemeinsamen Haushalt aus dem Geschäftsgewinn zu bestreiten. Hierin lag wohl eine Ursache für Auseinandersetzungen mit der Schwiegermutter, denn Heinrich Anton Christoph Seeliger war ein äußerst korrekter, aber auch sparsamer Mensch. Hinzu kamen geschäftliche Differenzen. Weniger aus geschäftlichen als aus persönlichen Gründen dachte daher Heinrich Anton Christoph Seeliger sehr bald an eine grundlegende Veränderung. Eine geschäftliche Trennung wurde also beschlossen.
Heinrich Anton Christoph Seeliger gründet am 1. November 1794 sein eigenes Handelsgeschäft.
[Bearbeiten] Handelsgeschäft
Das Handelsgeschäft von Heinrich Anton Christoph Seeliger begann in dem Haus Krambuden 15. Die Schwiegermutter zog in das Nachbarhaus Krambuden 14. Die Konzentration auf den Garnhandel bedeutete von Anfang an Ausschöpfen einer Wachstumsbranche der Zeit. Dieser Handel, zu dem auch der Kleinhandel zählte, war zusammen mit dem Handwerk das tragende Element des alten Mittelstandes, ja sogar das tragende Element des alten städtisch-bürgerlichen Wesens, das sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur neuen soziologischen Kategorie des Kleinbürgers entwickelte. Zu dieser bestimmenden Gesellschaftsschicht in der Kleinstadt Wolfenbüttel zählte nun die Familie Seeliger ohne Zweifel.
Der gute Geschäftsverlauf der Anfangsjahre zeigte sich auch in der Erweiterung durch Grundstücksankäufe, so im Jahr 1800 das Haus Krambuden 16 und 1805 von seiner Schwiegermutter die Geschäftshäuser Krambuden 14 und 15 sowie ein weiteres im Kleinen Zimmerhof.
Entscheidend sollte sich für die Zukunft der Kornhandel auswirken. Nicht nur für das Handelshaus Seeliger war er bedeutsam, sondern auch für viele andere Menschen und ganze Familien in Wolfenbüttel. Die Herstellung der Säcke wurde in Heimarbeit geleistet; Landwirte lieferten aus dem ganzen Umland Korn an und kauften in Wolfenbüttel für ihren täglichen Bedarf ein; die Fuhrgeschäfte blühten und damit die Übernachtungen der Fuhrleute in den Gasthöfen. So konnte Heinrich Anton Christoph Seeliger nicht nur geschickt die landwirtschaftliche Infrastruktur im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zum erfolgreichen Ausbau seines Handelshauses nutzen, sondern schuf auch die Grundlagen, dass Wolfenbüttel zu einem wichtigen Zentrum des Kornhandels wurde.
Mit dem Handel verbunden war eine ständige Ausweitung der Geldgeschäfte, so dass das reine Bankgeschäft eine weitere Säule des Handelshauses wurde bzw. das Bankhaus Seeliger allmählich entstand. In der engen Verflechtung mit der regionalen Landwirtschaft lag der eigentliche Kern der Unternehmen von Seeliger, von dem aus später das Bankgeschäft seine traditionsreichen Grundlagen und Verbindungen gewinnen sollte. Darüber hinaus baute Heinrich Anton Christoph Seeliger ab 1812 den Wollhandel verstärkt aus, wobei ihm seine langjährigen Verbindungen zu England hilfreich waren, zumal es durch die Kontinentalsperre Napoleons dringend auf solche Lieferungen angewiesen war. Für Seeliger bedeutete dies zugleich die Möglichkeit, allmählich eintretende Verluste aus dem zeitweise rückläufigen Kornhandel auszugleichen.
[Bearbeiten] Familie
Heinrich Anton Christoph Seeliger führte – nach vorliegenden Berichten – eine ausgesprochen glückliche Ehe. Von den insgesamt 10 Kindern überlebten ihn 7, wobei die Söhne Louis und Theodor für das spätere Bankhaus eine wichtige Rolle spielten.
Die Tatsache, dass Louis Seeliger zunächst mit einem eigenen Handelsgeschäft und einem eigenen Haus begann, macht auch den unterschiedlichen Charakter der Brüder Louis und Theodor deutlich. Theodor war der ruhigere, weniger risikofreudigere der beiden Brüder, der auch ganz der Tradition des vom Vater übernommenen kaufmännischen Denkens und Handelns verhaftet blieb. Louis dagegen war aktiv, unternehmend und stets auf der Suche nach neuen Erwerbsquellen bzw. Geschäftsmöglichkeiten. Dies sollte sich nach dem Tod des Vaters wesentlich auswirken, zuvor allerdings kam es zu einem engen Zusammenwirken innerhalb der Familie.
[Bearbeiten] Handelshaus Heinrich Seeliger & Söhne
Am 1. Januar 1825 nahm Heinrich Anton Christoph Seeliger seine beiden Söhne Louis und Theodor als Teilhaber in das Unternehmen auf, die nun den Firmennamen "Heinrich Seeliger & Söhne" trug. Er selbst zog mit seiner Frau Dorothea in das Haus seines Sohnes Louis, das zugleich Sitz des gemeinsamen Handelshauses wurde. Der Sohn Theodor zog dagegen in das elterliche Haus. Louis Seeliger brachte seine eigene Handlung in das Unternehmen ein. Zunächst verlief die wirtschaftliche Entwicklung des Geschäftes weiterhin positiv, ganz im Gegensatz zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung der Handelsgeschäfte im Herzogtum Braunschweig. Hier waren nämlich allgemein starke Geschäftsrückgänge zu verzeichnen, besonders seit die Messe in Braunschweig weiter an Bedeutung verlor.
[Bearbeiten] Tod
Bis zum Tod von Heinrich Anton Christoph Seeliger im Jahr 1838 verliefen die Geschäfte des Unternehmens Seeliger und Söhne weitgehend in den traditionellen Bahnen, die der Firmengründer vorgegeben hatte. Der Tod von Heinrich Anton Christoph Seeliger kennzeichnete dann jedoch einen erheblichen Einschnitt der Firmengeschichte. Er war dank seines wirtschaftlichen Erfolges zu großem Ansehen und auch Wohlstand gelangt, wie besonders an den Grundstückskäufen in und um Wolfenbüttel zu ersehen war. Er galt als religiös, bescheiden und zurückhaltend im Persönlichen, gleichzeitig besaß er im Geschäftlichen einen sicheren Instinkt für das Machbare und die Grenzen des Risikos. Diese Anlagen schlugen sich auch in der Seeliger'schen Familienstiftung nieder, das neben dem Testament wichtigste Dokument der Familien- und Firmengeschichte beim Tod des Gründers.
